OLIs Wilde Welt
Lämmchen (Bild: dpa picture-alliance)

Schaf


Ovis ammon

Schafe - und vor allem die jungen Lämmchen sind sehr friedliche Tiere. Seit vielen tausend Jahren liefern sie dem Menschen Wolle, Milch und Fleisch.
Aussehen
Heidschnucke (Bild: SWR)Schafe sind Säugetiere und gehören wie Ziegen, Rinder und Antilopen zur Familie der Hornträger.

Europäische Wildschafe (die auch Mufflons genannt werden) messen von der Nasen- bis zur Schwanzspitze etwa 110 bis 130 Zentimeter, werden 65 bis 80 Zentimeter groß und wiegen 25 bis 55 Kilogramm. Von ihnen stammen auch die bei uns gehaltenen Schafe ab.

Schafe und ein Lämmchen (Bild: SWR)Die Männchen heißen Widder und sind sehr viel größer und stärker als die weiblichen Schafe. Kastrierte, also unfruchtbar gemachte Männchen, nennt man Hammel. Sie sind sehr viel friedlicher als Widder und setzen mehr Fleisch an.
Die jungen Schafe im Alter bis zu einem Jahr werden Lämmer genannt.
Heidschnuckenherde (Bild: SWR)Viele Schafe tragen Hörner:
Bei den Wildschafen sind sie entweder schneckenförmig gekrümmt, lang und spiralig gewunden oder kurz und nur leicht gebogen. Sie werden 50 bis 190 Zentimeter lang.
Die Hörner der Weibchen sind kleiner und manche Hausschafe tragen, je nach Rasse, oft gar keine Hörner.
Tiere einer Schafherde (Bild: SWR)Ein typisches Kennzeichen der Schafe ist ihr Fell, das zu Wolle verarbeitet wird. Es kann weiß, grau, braun, schwarz oder auch gemustert sein und besteht aus der dichten, gekräuselten Unterwolle und den darüber liegenden dickeren Haaren.
Je feiner und gekräuselter die Wolle ist, um so wertvoller ist sie.

Mehrere jüngere und ältere Schwarznasenschafe (Bild: SWR)Die Wolle der Schafe fühlt sich richtig fettig an.
Das kommt vom Lanolin, einem Fett, das von den Hautdrüsen produziert wird. Es schützt die Wolle vor Nässe.
Selbst beim stärksten Regen bleibt die Unterwolle der Schafe schön warm und trocken.
Heimat
Das Europäische Wildschaf kam früher von Ungarn bis Süddeutschland und im ganzen Mittelmeer-Gebiet vor. Heute gibt es nur noch ein paar wenige hundert Tiere auf den Inseln Korsika und Sardinien. Die gezüchteten Hausschafe leben fast überall auf der Welt, weil sie von den Europäern auf alle anderen Kontinente mitgenommen wurden.

Die meisten Schafe leben heute in Asien, Australien, Argentinien und Südwest-Afrika. In Europa ziehen dagegen nur noch wenige Schafherden über die Weiden, weil sich die Schafhaltung bei uns kaum noch lohnt.
Lebensraum
Eine Schafherde auf einer Wiese (Bild: SWR)Ob Steppen, Heideflächen oder Hochebenen - Schafe sind fast überall zu finden und kommen in fast jedem Lebensraum zurecht, weil sie beim Fressen nicht sehr wählerisch sind.
Je nach Rasse sind sie an die verschiedenen Klima-Zonen der Erde gut angepasst.
Sogar in tropischen Ländern gibt es Schafe.
Rassen und Arten
Es gibt zwischen 500 und 600 verschiedene Schaf-Arten auf der ganzen Welt. Bei den Wildschafen gehören die Europäischen Wildschafe zu den bekanntesten. Auch die bis zu zwei Meter lange Argali aus den Gebirgen in Zentralasien und das Dickhornschaf in Nordost-Sibirien und Nordamerika sind noch bekannt.

Heidschnucken (Bild: SWR)Als Haustiere wurden die ersten Schafe schon vor etwa 9000 Jahren in Kleinasien gehalten. Heute gibt es viele verschiedene Rassen, zum Beispiel Merino-Schafe, Bergschafe oder Heidschnucken.
Die Heidschnucken sind bei uns vor allem in Norddeutschland sehr bekannt und erinnern im Aussehen an Wildschafe:

Sowohl Männchen als auch Weibchen tragen Hörner, die der Weibchen sind sichelförmig nach hinten gebogen, die der Männchen schneckenförmig.

Eine junge Heidschnucke (Bild: SWR)Ihr Fell ist lang und dicht und silbergrau bis dunkelgrau gefärbt. An Kopf und Beinen dagegen ist das Fell kurz und schwarz.
Die Lämmer der Heidschnucken kommen mit schwarz gelocktem Fell zur Welt. Im Laufe des ersten Lebensjahres verfärbt sich das Fell und wird grau.
Heidschnucken sind eine alte Schaf-Rasse und liefern nicht nur Wolle, sondern auch Fleisch.
Außerdem dienen sie der Landschafts- Pflege, weil sie in der Heide das Gras kurz halten und dafür sorgen, dass die Heidelandschaft erhalten bleibt. Heute gelten Heidschnucken als gefährdet. Es gibt nur noch relativ wenige Tiere.
Einige Skudden-Schafe (Bild: SWR)In Norddeutschland übernehmen Skudden-Schafe die Landschaftspflege. Sie sind eine alte Hausschaf-Rasse, die aus dem Baltikum und Ostpreußen stammt. Skudden-Schafe werden höchstens 60 Zentimeter groß. Ihr Fell ist entweder weiß, braun, schwarz oder gescheckt. Skudden-Schafe sind wegen ihrer feinen Wolle bekannt.
Schwarznasenschaf (Bild: SWR)Gute Wolllieferanten sind auch die Walliser Schwarznasenschafe. Die Männchen bringen pro Jahr bis zu 4,5 Kilogramm Wolle, die Weibchen bis zu vier Kilogramm.
Diese alte Rasse, die aus dem Schweizer Kanton Wallis stammt, gibt es vermutlich seit dem 15. Jahrhundert.
Ein junges Schwarznasenschaf (Bild: SWR)Besonders auffällig ist die Färbung:
Die Tiere sind um Maul und Nase und rund um die Augen schwarz. Weil sie mit dieser auffälligen "Gesichtsmaske" ein wenig an Panda-Bären erinnern, werden sie auch Panda-Schafe genannt. Auch die Ohren sind schwarz und an den Sprunggelenken, den Vorderknien und den Füßen tragen sie schwarze Flecken.
Schwarznasenschafe am Futtertrog (Bild: SWR)Die Weibchen besitzen zusätzlich einen schwarzen Schwanzfleck. Auffällig sind auch die relativ langen, spiralförmig gedrehten Hörner.
Die Rasse ist sehr robust und gut an das raue Klima im Gebirge angepasst.
Vierhornschaf (Bild: SWR)Besonders auffällig sind auch die bei uns sehr seltenen Vierhornschafe.
Diese uralte Rasse stammt vermutlich aus Kleinasien und wird bereits in der Bibel erwähnt. Man nennt sie auch Jakobschafe. Sie kamen mit den Arabern über Nordafrika nach Spanien und von dort weiter nach Mittel- und Westeuropa.

Diese Rasse gehört zu den Wollschafen und trägt als einzige vier, manchmal sogar sechs Hörner. Sie ist sehr anspruchslos und kann das ganze Jahr über im Freien leben.
Lebenserwartung
Schafe werden meistens zwischen zehn und zwölf Jahre alt, allerhöchstens 20 Jahre. Mutterschafe leben nur fünf bis sechs Jahre.
Alltag
Tiere einer Schafherde (Bild: SWR)Ein Schaf allein - das gibt es nicht! Schafe sind reine Herdentiere und mögen es überhaupt nicht, alleine zu sein. Nur zusammen mit ihren Artgenossen fühlen sie sich sicher und geborgen.
Innerhalb der Herde bilden sich kleine Gruppen aus verwandten weiblichen Tieren. Eine strenge Rangordnung gibt es aber nicht.
Heidschnucken (Bild: SWR)Die Widder werden getrennt von der Herde gehalten und dürfen nur zur Paarungszeit zu den Schafen.

Zu dieser Zeit zeigen die Widder, wie temperamentvoll sie sein können: Beim Kampf um die Weibchen stoßen sie wieder und wieder krachend mit den Hörnern gegeneinander.
Das hört sich aber schlimmer an, als es ist. Die Tiere verletzen sich so gut wie nie dabei.

Eine Schafherde (Bild: SWR)Wenn die Paarungszeit vorbei ist, kommt wieder Ruhe in die Herde: Die Schafe verbringen den Tag vor allem mit Grasen. Nachts schlafen sie dicht aneinander gedrängt im Schutz der Herde.
Und weil sie friedliche und geduldige Tiere sind, können sie auch gut mit Pferden oder Rindern zusammen gehalten werden.
Schwarznasenschaf (Bild: SWR)Schafe haben sehr gute Augen. Die brauchen sie, um rechtzeitig Feinde zu entdecken. Wilde Schafe können einen Feind, schon auf mehrere hundert Meter Entfernung erkennen.

Außerdem haben sie eine feine Nase, mit der sie zum Beispiel Raubtiere schon von weitem wittern können.

Hausschafe werden in vier verschiedene Gruppen eingeteilt - je nachdem, wofür die einzelnen Rassen gezüchtet wurden:

Junge Schafe (Bild: SWR)Wollschafe liefern vor allem Wolle, Fleischschafe werden wegen ihres Fleischs gehalten, Milchschafe geben Milch und Landschafe haben nur eine Aufgabe:
Sie dienen als lebende "Rasenmäher" und halten auf der Heide, auf Bergwiesen und auf Deichen das Gras kurz und verhindern, dass allzu viele Büsche und Bäume wachsen können.
Freunde und Feinde
Wolf, Luchs, Fuchs und Adler können vor allem den Lämmern wilder Schafe gefährlich werden.
Nachwuchs
Ein Lämmchen (Bild: SWR)Ein Schaf wird mit etwa zwei Jahren erwachsen und kann dann jedes Jahr Junge bekommen. Paarungszeit ist im Herbst. Fünf Monate später bringt das Schaf im Februar oder März ein bis vier Lämmchen zur Welt. Gleich nach der Geburt leckt die Mutter die Lämmer ab und prägt sich dabei ihren Geruch ein; er ist das Erkennungs-Zeichen für die Mutter.

Umgekehrt merkt sich das Lämmchen ganz genau, wie die Mutter blökt. An diesem Ruf wird das Lamm seine Mutter später unter den vielen Schafen der Herde erkennen.
Ein Lämmchen versucht sich aufzurichten (Bild: SWR)Nach der Geburt der Lämmer muss alles ganz schnell gehen: Sie versuchen, sich auf ihren dünnen, langen Beinchen aufzurichten, um am Euter der Mutter zu trinken.

Das ist wichtig, weil die Lämmer mit der ersten Milch der Mutter eine Menge Abwehrstoffe bekommen. Diese brauchen sie, um gesund zu bleiben.

In den ersten Stunden stehen die Lämmchen noch ziemlich wackelig auf den Beinen, doch schon wenig später folgen sie ihrer Mutter auf die Weide.
Sprache
Jeder kennt den typischen Ruf der Schafe: "Mäh". Aber sie können auch blöken und meckern. Bei Gefahr warnen wilde Schafe ihre Herde mit einem Pfiff.
Ernährung
Heidschnucken-Widder auf einer Wiese (Bild: SWR)Schafe sind nicht wählerisch mit ihrem Futter. Jedes Gras und Kraut, das ihnen vor die Schnauze kommt, wird abgerupft und gefressen.

Natürlich mögen sie saftiges Gras am liebsten, aber sie werden auch auf einer mageren Weide hoch oben in den Bergen noch satt.

Schafe sind wie Kühe Wiederkäuer: sie würgen das Futter einige Stunden nach dem Fressen wieder hoch und kauen es noch einmal gründlich, bevor es dann endgültig im Darm verdaut wird.
Haltung
Ein Schäfer mit seiner Herde (Bild: SWR)Schafe können auf drei verschiedene Arten gehalten werden: Bei der Wander-Schafhaltung zieht ein Schäfer mit seinem Hund und der Herde von Weide zu Weide. Bei der Hüte-Haltung grasen die Schafe auf einer nahe gelegenen Weide. Bei der Koppel- und Einzel-Schafhaltung fressen die Tiere auf einer eingezäunten Weide das Gras kurz. Dabei muss weder ein Schäfer noch ein Hund auf die Tiere Acht geben, weil die Weide von einem Zaun umgeben ist.
Ein paar Schafe vor einer Schubkarre mit Heu (Bild: SWR)Den Winter verbringen Schafe meistens im Stall.
Nur in ganz milden Gegenden, in denen es wenig Schnee gibt und kaum friert, können sie auch in der kalten Jahreszeit draußen bleiben.

Auf alle Fälle müssen sie in dieser Zeit aber mit Heu und Stroh gefüttert werden.
Pflegeplan
Schafe stehen in einer Absperrung und werden geimpft (Bild: SWR)Bei der Wander-Schafhaltung sorgt der Schäfer dafür, dass die Herde rechtzeitig zu einer neuen Weide zieht, so dass sie immer genug Futter hat.

Er gibt den Lämmern alle sechs Wochen eine Medizin, damit sie keine Würmer bekommen und kontrolliert auch bei den großen Schafen regelmäßig, ob sie gesund sind.

Und natürlich achtet der Schäfer besonders auf die Schafe, die Junge bekommen.
Die Hufe eines Vierhornschafes werden bearbeitet (Bild: SWR)Wenn Schafe keine großen Strecken wandern, müssen die Klauen regelmäßig geschnitten werden, weil sie sich nicht stark genug abnutzen.
Jedes Jahr zwischen April und Juni werden die Schafe geschoren.
Ein Schaf liefert im Durchschnitt etwa dreieinhalb Kilogramm Wolle - das reicht für etwa drei Pullover.