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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Seepferdchen

Alltag
Seepferdchen  (Bild: SWR)Das seltsame Aussehen der Seepferdchen hilft ihnen beim Überleben: Kaum ein Raubfisch erkennt die merkwürdigen, oft zwischen Pflanzen schwebenden Tiere als Beutefisch.

Auch der harte Hautknochenpanzer verdirbt den meisten Fischen den Appetit.

Umgekehrt bemerken die Beutetiere der Seepferdchen oft zu spät, dass sie sich einem Fressfeind nähern.
Zwei Seepferdchen halten sich gegenseitig am Schwanz fest (Bild: SWR)Seepferdchen leben paarweise und besetzen gemeinsam ein Revier.
Die Tiere bleiben ein Leben lang zusammen, und wenn ein Partner stirbt, überlebt der andere meistens nicht mehr lange.

Jeden Morgen findet ein Begrüßungsritual statt, dass dazu dient, die Bindung zwischen den beiden Partnern zu verstärken.
Zwei Seepferdchen umschlungen (Bild: SWR)Meist schwimmt das Weibchen zum Männchen und fordert es zum Tanz auf. Es greift mit dem Schwanz das Pflanzenteil, an dem sich das Männchen festhält, und beide drehen sie sich um den Pflanzenstängel. Zum Schluss fassen sie sich gegenseitig am Schwanz und schwimmen gemeinsam in ihrem Revier umher.

Anschließend trennen sie sich, und jeder verbringt den Tag für sich mit der Nahrungssuche.
Freunde und Feinde
Junge Seepferdchen werden vor allem in ihren ersten Lebenswochen von Raubfischen gefressen: Vermutlich überlebt nur eines von tausend Jungtieren.

Erwachsene Tiere können sich so gut tarnen und in der Farbe an ihre Umgebung anpassen, dass sie vor Räubern ziemlich gut geschützt sind. Allerdings können ihnen giftige See-Anemonen oder Korallen gefährlich werden, ebenso größere Einsiedlerkrebse.
Jagd
Seepferdchen sind typische Lauerjäger: Sie jagen nicht, sondern warten reglos und zwischen Wasserpflanzen gut versteckt, bis ihnen ein Beutetier vor das Maul schwimmt. Es wird dann blitzschnell mit dem röhrenförmigen Maul eingesaugt und verschluckt.
Nachwuchs
Die Aufzucht der Jungen ist bei Seepferdchen Männersache: Die Männchen brüten die Eier aus und kümmern sich um den Nachwuchs.
Zwei Seepferdchen beim Balzritual (Bild: SWR)
Nach einem Balzritual, das mehrere Stunden dauern kann und dem morgendlichen Begrüßungsritual gleicht, sind beide zur Paarung bereit:
Das Weibchen reckt die Schnauze nach oben und streckt den Schwanz senkrecht nach unten. Daraufhin macht das Männchen seine Bruttasche bereit.

Es bewegt den Schwanz wie ein Klappmesser vor und zurück. So wird Wasser in die Bruttasche hinein- und wieder hinaus gepumpt, damit sie gereinigt wird und nur frisches, sauerstoffreiches Wasser enthält. Danach reckt auch das Männchen die Schnauze nach oben.
Paarung bei den Seepferdchen (Bild: SWR)
Nun stülpt das Weibchen einen speziellen Ei-Legeapparat aus, führt ihn in die Bruttasche des Männchens ein und legt etwa 200 Eier ab. Danach trennt sich das Paar und das Männchen gibt seine Spermien in die Bruttasche hinein, damit die Eier besamt werden.
Die Innenwand der Bruttasche ist reich mit Blutgefäßen bestückt, die den Nachwuchs mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.
Je nach Temperatur dauert die Entwicklung der Jungen zwei bis fünf Wochen.

Winzige Seepferdechen werden geboren (Bild: SWR)
Dann findet die "Geburt" der Jungen statt: Das Männchen bewegt den Schwanz wieder wie ein Klappmesser und pumpt Wasser in den Beutel - die jungen Seepferdchen werden dadurch in das freie Wasser hinaus geschleudert.
Sie sehen schon genauso aus wie ihre Eltern, sind aber noch winzig klein und messen zum Beispiel beim Langschnauzigen Seepferdchen nur 1,5 Zentimeter.

Sie sind von Anfang an selbstständig. Mit etwa sechs Monaten werden sie geschlechtsreif.
Autorin: Barbara Kiesewetter