SWR Kindernetz
ProgrammvorschauPodcast

Tierlexikon für Kinder - Archiv

Seychellen-Riesenschildkröte

Alltag
Aldabra-Riesenschildkröte (Bild: SWR)Die Vorfahren der Seychellen-Riesenschildkröten lebten bereits zur Zeit der Saurier vor etwa 200 Millionen Jahren auf der Erde. Seit damals hat sich das Leben der Riesen nur wenig verändert.
Die tagaktiven Tiere sind sehr langsam. Sie laufen mit einer maximalen Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Stunde umher und verbringen viel Zeit mit dem Fressen von Gras und anderen Pflanzen.
Eine Seychellen-Riesenschildkröte geht in den Schatten (Bild: SWR)Weil sie ihre Körpertemperatur nicht regulieren können, ziehen sie sich in der Mittagshitze an schattige Plätze zurück, damit ihr Körper nicht überhitzt.

Da es auf den Seychellen aber nur wenige Schatten spendende Bäume gibt, drängen sich viele Schildkröten unter Bäumen oder in Felsnischen zusammen.
Zwei Seychellen-Riesenschildkröten auf einer Wiese drehen sich den Rücken zu (Bild: SWR)Manchmal liegen sie sogar übereinander. Die Tiere haben aber keine nähere Beziehung zueinander, sondern sind Einzelgänger. Feste Reviere haben sie nicht.
Seychellen-Riesenschildkröten sind sehr friedliche Riesen. Zu Streitereien zwischen den Tieren kommt es so gut wie nie.
Zwei Seychellen-Riesenschildkröten dösen vor sich hin, eine hebt den Kopf (Bild: SWR)Am Abend schlafen die Schildkröten an der Stelle, an der sie sich gerade befinden. Spezielle Schlafplätze haben sie nicht.
Anders als andere Schildkröten-Arten ziehen sie beim Schlafen ihren Kopf und die Beine nicht unter den Panzer ein, weil sie sonst nicht richtig atmen können.
Freunde und Feinde
Kopf einer Seychellen-Riesenschildkröte von oben  (Bild: SWR)Erwachsene Seychellen-Riesenschildkröten haben in der Natur nur wenige Feinde. Dafür, dass sie fast ausgerottet wurden, gibt es mehrere Gründe: Sie wurden in früheren Jahrhunderten in großer Zahl von Seefahrern gejagt, weil die lebenden Tiere auf den Schiffen als "Fleischvorrat" dienten.
Als dann mit den europäischen Siedlern auch Hunde, Katzen, Ratten und Schweine auf die Inseln kamen, fielen ihnen viele Eier und Jungtiere zum Opfer. Ziegen wurden zu Konkurrenten um die knappe Pflanzennahrung.
Außerdem war es auf den Maskarenen-Inseln lange Zeit Brauch, jedem neu geborenen Mädchen eine frisch geschlüpfte Schildkröte zu schenken. Diese wuchs dann heran und wurde an der Hochzeit des Mädchens geschlachtet. Diesen Brauch gibt es heute jedoch nicht mehr.
Nachwuchs
Fortpflanzungszeit ist bei den Seychellen-Riesenschildkröten in der Regenzeit zwischen November und April.
Zwei Seychellen-Riesenschildkröten hintereinander (Bild: SWR)Bei der Paarung zeigen die sonst so ruhigen Tiere plötzlich Temperament: Die Männchen werden sehr aufgeregt und stoßen raue, heisere Laute aus, die über einen Kilometer weit zu hören sind.
Zwischen Mai und August suchen die Weibchen geeigneten Brutplatz und graben mit den Hinterbeinen ein Loch in den Boden.
Zwei Eier von Seychellen-Riesenschildkröten in einem Brutschrank (Bild: SWR)Dort hinein legen sie fünf bis 25 Eier, die etwa so groß sind wie ein Tennisball. Anschließend schaufeln sie mit den Beinen das Gelege wieder mit Erde zu und bewacht es.
Nach etwa 120 bis 130 Tagen schlüpfen die Schildkröten-Babys.
Ob aus einem Ei eine weibliche oder männliche Schildkröte schlüpft, hängt von der Bodentemperatur ab: Ist es relativ warm, schlüpfen vor allem Weibchen, ist es kühler, entwickeln sich vor allem Männchen.
Zunächst bleiben die frisch geschlüpften Jungen noch in ihrem Erdenest Dann graben sie sich zur Erdoberfläche durch. Die Jungen sind von Anfang an selbstständig. Erst mit 20 bis 30 Jahren werden sie geschlechtsreif.
Sprache
Eine Seychellen-Riesenschildkröte fühlt sich gestört, zieht ihren Kopf in den Panzer zurück und faucht (Bild: SWR)Seychellen-Riesenschildkröten geben kaum Laute von sich.
Nur wenn sie sich bedroht fühlen, lassen sie ein Zischen hören.
Und die Männchen geben bei der Paarung laute Geräusche von sich.
Autorin: Barbara Kiesewetter