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Steppen-Lemming (Bild: SWR)

Steppen-Lemming


Lagurus lagurus

Weil sie in den Steppen der Mongolei zu Hause sind, werden die Steppen-Lemminge auch Mongolische Lemminge genannt.
Aussehen
Steppen-Lemming (Bild: SWR)
Steppen-Lemminge gehören zu den Nagetieren. Sie sind innerhalb dieser Tiergruppe aber viel enger mit den Wühlmäusen verwandt als mit ihren Namens-Vettern, den etwas größeren Berg-Lemmingen und den Wald-Lemmingen. Steppen-Lemminge werden vom Kopf bis zu Po acht bis maximal zwölf Zentimeter lang.
Ihr dicht behaarter Schwanz misst höchstens zwei Zentimeter. Die Weibchen sind größer als die Männchen. Der Rücken der Steppen-Lemminge ist hellgrau gefärbt, der Bauch fast weiß.
Steppen-Lemming mit dem typischen Strich auf dem Rücken (Bild: SWR)
Man kann sie ganz leicht an dem typischen schwarzen Strich auf dem Rücken erkennen, der vom Kopf bis zum Po reicht. Einen solchen Strich nennt man auch "Aalstrich".

Die Ohren der kleinen Nagetiere sind klein, die Augen ziemlich groß.
Das Fell der Steppenlemminge ist mit einer dünnen Fettschicht versehen, so dass es wasserdicht ist und die Körperwärme gut speichert.
Heimat
Steppen-Lemminge sind im östlichen Europa und in Asien zu Hause. Sie kommen von der Ukraine bis in der westliche Mongolei und in der Provinz Sinkiang im Nordwesten Chinas vor. Bis vor etwa 10 000 Jahren lebten sie auch viel weiter westlich bis Großbritannien. Dort sind sie aber längst ausgestorben.
Lebensraum
Steppen-Lemminge bewohnen, wie ihr Name schon sagt, vor allem Steppen und Halbwüsten. Manchmal wagen sie sich aber auch in Weide- und Kulturland vor.
Rassen und Arten
Neben dem Steppen-Lemming gibt es noch den Gelblemming und den Beifuß-Steppenlemming.
Lebenserwartung
Steppen-Lemminge werden nicht alt: Sowohl in Freiheit als auch in Gefangenschaft werden sie kaum älter als 20 Monate, also nicht einmal zwei Jahre alt.
Alltag
Steppen-Lemminge brauchen Gesellschaft (Bild: SWR)
Steppen-Lemminge sind gesellige Tiere, sie leben in großen Kolonien.

Sie graben weit verzweigte unterirdische Gänge und Bauten, in denen sie geschützt vor Feinden wohnen und auch ihre Jungen bekommen und aufziehen. Diese Baue können bis zu 90 Zentimeter tief unter der Erdoberfläche liegen.
An einigen Stellen erweitern die Steppen-Lemminge die Gänge zu kugelförmigen Nestkammern, die sie mit trocken Gras auspolstern. Dort sind sie auch vor der winterlichen Kälte geschützt.

Steppen-Lemming guckt aus seiner Höhle (Bild: SWR)
Steppen-Lemminge sind vor allem nachts, aber auch für etwa zwei bis vier Stunden am Tag aktiv.
Sie sind sehr neugierige Tiere und untersuchen alles, was sie finden.

Da sie als Bewohner der flachen Steppen Höhen sehr schlecht einschätzen können, stürzen in Gefangenschaft gehaltene Tiere manchmal, wenn sie ihre Umgebung erkunden.

Steppen-Lemming (Bild: SWR)
Wie bei ihren Namens-Vettern, den Berg- und den Wald-Lemmingen, kann auch die Zahl der Steppen-Lemminge sehr stark zu- und abnehmen:
Sind die Lebensbedingungen gut und gibt es reichlich Futter, vermehren sie sich so stark, dass sich viele Steppen-Lemminge schließlich einen neuen Lebensraum suchen müssen.
Dann kommt es zu den typischen Massenwanderungen.

Dass sich Steppen-Lemminge oder andere Lemminge bei diesen Wanderungen in Flüsse oder ins Meer stürzen und zu Hunderten oder Tausenden ertrinken, ist allerdings ein Märchen.
Freunde und Feinde
Viele kleine Raubtiere und auch Greifvögel machen Jagd auf Steppen-Lemminge.
Nachwuchs
Fortpflanzungszeit ist bei den Steppen-Lemmingen etwa von April bis Oktober. Nach einer Tragzeit von nur 20 Tagen bringen die Weibchen zwischen drei und sieben Junge zur Welt. Sie sind winzig klein und wiegen gerade mal ein Gramm.

Doch sie werden sehr schnell groß: Schon nach etwa zehn bis dreizehn Tagen fressen sie feste Nahrung, und nach vier bis sechs Wochen sind die jungen Steppen-Lemminge erwachsen und geschlechtsreif.

Steppen-Lemming-Weibchen können mehrmals im Jahr Junge bekommen. Vermutlich bringt ein Steppen-Lemming-Weibchen jedes Jahr fünfmal Junge zur Welt.
Ernährung
Steppen-Lemming beim Fressen (Bild: SWR)
Steppen-Lemminge sind Vegetarier: Sie knabbern vor allem Gräser und Kräuter sowie Knollen und Zwiebeln von Steppenpflanzen. Besonders gern mögen sie Wermut, eine bitter schmeckende Pflanze. Manchmal fressen sie auch Getreide und Samen.

Weil Steppen-Lemminge in einer Region mit kalten, langen Wintern leben und keinen Winterschlaf halten, legen sie für diese Zeit auch Nahrungsvorräte in ihren Bauen an: Diese bestehen aus Getreide, Samen und getrockneten Pflanzen.
Haltung
Steppen-Lemminge vor allem in Zoos gehalten, nur selten als Haustiere. Weil sie daran gewöhnt sind, in einem Familien-Verband zu leben, dürfen sie auf keinen Fall allein gehalten werden, sondern nur in Gruppen. Besonders gut vertragen sich reine Weibchen- und Männchen-Gruppen, wenn sie von klein auf zusammen gehalten werden.
ein handzahmer Steppen-Lemming (Bild: SWR)
Nimmt man einen Steppen-Lemming in die Hand, versucht er oft, einen zu kneifen: Das tun die Tiere aber nicht, um sich zu wehren, sondern weil sie neugierig sind und alles erst einmal daraufhin untersuchen, ob es eventuell schmeckt und etwas zum Fressen ist.
Nach ein paar Minuten hören sie mit den Kneifen auf, und sie verletzen einen Menschen nie wirklich.

Werden Steppen-Lemminge von klein auf in Gefangenschaft gehalten, gewöhnen sie sich gut an den Menschen und werden richtig zahm. Sie klettern dann sogar auf die Hand, wenn man sich ruhig verhält und nicht zu schnell bewegt.
so kann ein Lemming-Gehege aussehen (Bild: SWR)
Für zwei bis drei Lemminge braucht man ein Gehege mit einer Grundfläche von etwa 40 x 80 Zentimeter.
Am besten eignen sich Terrarien aus Glas, weil Steppen-Lemminge sehr gerne graben und in einem Käfig die ganze Einstreu durch die Gitter nach draußen werfen würden.
Weil sich Steppen-Lemminge sehr viel bewegen, brauchen sie unbedingt ein möglichst großes Laufrad, in dem sie sich abreagieren können. Außerdem mögen sie leere Eierkartons, Toilettenrollen, ein Holzhäuschen oder Tonröhren zum Verstecken.
Pflegeplan
Steppen-Lemming beim Fressen (Bild: SWR)
In Gefangenschaft gehaltene Steppen-Lemminge werden mit einer Mischung aus Vogelfutter, Haferflocken, Heu und Stroh gefüttert. Ab und zu bekommen sie auch frische Kräuter sowie Gemüse.

Obst dürfen sie nicht fressen, weil es zu viel Zucker enthält und Steppen-Lemminge diesen nicht vertragen:

Wenn sie Zucker fressen, werden sie sehr schnell krank und sterben.