OLIs Wilde Welt
Eine Gelbbauchunke (Bild: picture alliance / dpa)

Unke


Bombina variegata, Gelbbauchunke

Ihr Name verrät schon, wie sie aussieht: Die Gelbbauchunke hat einen leuchtend gelb gefärbten Bauch mit schwarzen Flecken.
Aussehen
Gelbbauchunken sind im Schlamm gut getarnt (Bild: SWR)
Die Gelbbauchunke sorgt für Überraschungen:
Von oben ist sie grau-bräunlich, schwärzlich oder lehmfarben und auf der Haut sitzen Warzen. Dadurch ist sie im Wasser und im Schlamm gut getarnt.
Gelbbauchunke häutet sich (Bild: SWR)
Auf der Bauchseite und an der Unterseite von Vorder- und Hinterbeinen leuchtet sie dagegen zitronen- oder orangegelb und ist mit blaugrauen Flecken gemustert.

Wie alle Amphibien häutet sich die Gelbbauchunke von Zeit zu Zeit.
Die unterschiedlichen Farbvarianten ob braun, grau oder schwärzlich - hängen davon ab, wo die Gelbbauchunken leben.
Der Rücken der Gelbbauchunke ist bräunlich oder grau (Bild: SWR)
Sie unterscheiden sich also von Region zu Region.

Unken gleichen - zumindest wenn man sie von oben betrachtet - Kröten, sind aber etwas kleiner und ihr Körper ist viel flacher.
Gelbbauchunken werden gerade mal vier bis fünf Zentimeter groß. Sie gehören zu den Froschlurchen und den Amphibien, aber nicht zu den Kröten oder Fröschen.
Sie bilden eine eigene Familie, die Familie der Scheibenzüngler. Sie heißt so, weil diese Tiere eine scheibenförmige Zunge besitzen. Im Gegensatz zur Zunge der Frösche schnellt die Scheibenzunge einer Unke zum Beutefang nicht aus ihrem Mund heraus.
Gelbbauchunken haben herzförmige Pupillen (Bild: SWR)
Außerdem haben die Männchen der Gelbbauchunke - anders als die Frösche und Kröten - keine Schallblase.
Zur Paarungszeit bekommen die Männchen schwarze Verdickungen an den Unterarmen; an Fingern und Zehen bilden sich die so genannten Brunstschwielen.
Auffällig sind die Pupillen: Sie sind herzförmig.
Heimat
Gelbbauchunken leben in Mittel- und Südeuropa in 200 bis 1800 Metern Höhe. Im Süden kommen sie in Italien und Frankreich bis zu den Pyrenäen an der spanischen Grenze vor, in Spanien gibt es sie nicht. Das Weserbergland und der Harz in Deutschland sind die nördliche Verbreitungsgrenze. Weiter nördlich und östlich kommt an ihrer Stelle die nah verwandte Rotbauchunke vor.
Lebensraum
Unke auf der Suche nach Wasser (Bild: SWR)
Unken brauchen flache, sonnige Tümpel zum Leben. Am liebsten mögen sie es, wenn diese winzigen Gewässer in der Nähe eines Waldes sind. Aber auch in Kiesgruben können sie ein Zuhause finden.

Und sogar eine mit Wasser gefüllte Reifen-Spur reicht ihnen zum Überleben.

Tümpel mit allzu vielen Wasserpflanzen mögen sie nicht. Wächst ein Teich zu, wandern die Unken wieder ab.

Weil Gelbbauchunken von Gewässer zu Gewässer wandern, gehören sie oft zu den ersten Tieren, die einen neuen kleinen Tümpel besiedeln. Weil solche kleinen Gewässer bei uns immer seltener werden, gibt es auch immer weniger Gelbbauchunken.
Rassen und Arten
Rotbauchunke (Bild: SWR)
Nah verwandt ist die Rotbauchunke (Bombina bombina). Ihr Rücken ist ebenfalls dunkel, ihr Bauch aber trägt leuchtend orangerote bis rote Flecken und kleine weiße Punkte.

Allerdings lebt sie weiter östlich und nördlich als die Gelbbauchunke und kommt nicht in den selben Gebieten vor.

Sie besitzt, anders als die Gelbbauchunke, eine Schallblase.

Nur von Mitteldeutschland bis Rumänien überschneiden sich die Verbreitungsgebiete beider Arten. Hier können sich Gelb- und Rotbauchunke sogar miteinander paaren und gemeinsame Nachkommen haben.
Lebenserwartung
Gelbbauchunken werden in der Natur höchstens acht Jahre alt.
Alltag
Gelbbauchunke sonnt sich im flachen Wasser (Bild: SWR)
Anders als Kröten, die nur zur Fortpflanzung ins Wasser gehen, leben Unken in der Zeit von April bis September fast ausschließlich in Tümpeln und kleinen Seen.
Sie sind tagaktiv und hängen meist mit ausgestreckten Hinterbeinen, Augen und Nase über Wasser, in ihrem von der Sonne beschienenen Teich. Das sieht ziemlich entspannt und lässig aus.
Gelbbauchunken bleiben meist nicht in einem Gewässer, sondern wandern zwischen verschiedenen Tümpeln hin und her.

Vor allem Jungtiere sind richtige Wanderer: Sie ziehen bis zu 3000 Meter weit, um einen geeigneten Lebensraum zu finden. Erwachsene Tiere wandern dagegen kaum mehr als 60 oder 100 Meter bis zur nächsten Wasserstelle.
Bei Gefahr dreht sich die Gelbbauchunke auf den Rücken (Bild: SWR)
Typisch für die Gelbbauchunke ist ihre Reaktion bei Gefahr: Es ist die so genannte Schreckstellung.

Dabei liegt die Unke regungslos auf dem Bauch und biegt Vorder- und Hinterbeine nach oben, so dass die leuchtend- bunte Färbung sichtbar wird.
Manchmal legt sie sich auch auf den Rücken und zeigt ihren gelb-schwarzen Bauch.

Diese Färbung soll Feinde warnen und fern halten, denn die Unken sondern bei Gefahr ein giftiges Sekret ab, das die Schleimhäute reizt.

Im Winter verstecken sich die Gelbbauchunken in der Erde unter Steinen oder Wurzeln. Dort überdauern sie von Ende September bis Ende April die kalte Jahreszeit.
Freunde und Feinde
Molche, Ringelnattern und Libellenlarven machen sich gerne über den Nachwuchs der Gelbbauchunken her und fressen die Kaulquappen. Auch Fische haben Appetit auf Unken-Kaulquappen. Deshalb können Unken nur in Gewässern ohne Fische überleben. Erwachsenen Unken werden vor allem Ringelnattern und Molche gefährlich
Nachwuchs
Gelbbauchunke bei der Paarung (Bild: SWR)
Paarungszeit ist bei den Gelbbauchunken von Ende April und Anfang Mai bis Mitte Juli. In dieser Zeit legen die Weibchen mehrmals Eier ab.
Die Gelbbauchunken-Männchen sitzen in ihren Tümpeln und versuchen, mit ihren Rufen paarungsbereite Weibchen anzulocken. Gleichzeitig halten sie mit ihren Unkenrufen andere Männchen fern und sagen: Halt, das ist mein Revier.

Bei der Paarung halten die Männchen die Weibchen fest umklammert.
Anschließend legen die Weibchen ihre Eier in kleinen runden Paketen ab. Die Eipakete - jedes enthält etwa 100 Eier - werden vom Weibchen entweder an die Stängel von Wasserpflanzen geklebt, oder sie sinken auf den Boden des Gewässers.
Unke mit Kaulquappe (links unten im Bild) (Bild: SWR)
Aus ihnen schlüpfen nach acht Tagen die Kaulquappen. Sie sind überraschend groß: Beim Schlüpfen messen sie eineinhalb Zentimeter und werden während ihrer Entwicklung bis zu fünf Zentimeter lang. Sie sind graubraun gefärbt und tragen dunkle Flecken.

Bei günstigen Bedingungen können sie sich innerhalb eines Monats zu kleinen Unken entwickeln. Diese schnelle Entwicklung ist wichtig, weil Unken in kleinen Gewässern leben, die im Lauf des Sommers austrocknen können.

Nur wenn die Kaulquappen bis dahin zu kleinen Unken geworden sind, können sie über Land wandern und sich ein neues Gewässer als Zuhause suchen.

Nach zwei Jahren sind die Jungen geschlechtsreif.
Sprache
Berühmt sind die sprichwörtlichen "Unkenrufe": Die Gelbbauchunken lassen ein leises, dumpfes "uh-uh-uh-uh" hören, das nicht annähernd so laut ist wie das Gequake der Frösche. Nach einer winzigen Pause wiederholen sie diesen Ruf bis zu 40 Mal in der Minute. Und weil ihre Rufe etwas unheimlich klingen, wurden die Unkenrufe zum Symbol für Warnungen und düstere Vorraussagen.
Ernährung
Eine Gelbbauchunke frisst einen Regenwurm (Bild: SWR)
Gelbbauchunken fressen Spinnen, Schnecken und Würmer.

Sie mögen aber auch Insekten und Mückenlarven.

Ihre Nahrung erbeuten sie entweder im Wasser oder an der Wasseroberfläche.