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Tierlexikon für Kinder - Archiv

Wickelbär

Alltag
Wickelbär (Bild: SWR)
Wickelbären führen ein sehr verstecktes Leben, deshalb bekommt man sie nur selten zu Gesicht. Sie sind ausschließlich in der Nacht aktiv.
Den Tag verbringen Wickelbären schlafend in den Baumkronen oder Baumhöhlen. Dabei rollen sie sich ein und legen die Vorderpfoten über ihre Augen. Wenn es dämmerig wird, werden die Wickelbären wach.
Sie klettern und laufen geschickt über die Äste der Urwaldbäume und benutzen dabei ihren Schwanz zum Balancieren. Auf den Boden gehen sie fast nie. Wenn sie von Baum zu Baum klettern, sichern sie sich, indem sie den Schwanz um die Äste wickeln. Erst wenn sie wieder sicher auf einem Ast stehen, lassen sie mit dem Schwanz los.

Sogar im Liegen kann der Wickelbär fressen (Bild: SWR)
Wickelbären leben in lockeren, kleinen Gruppen, in denen es keine feste Rangordnung gibt. Die Tiere betreiben auch nur selten gegenseitige Fellpflege.
Wenn sie einen Baum mit reifen Früchten finden, versammeln sich dort viele Tiere, die sich dann häufig um das Futter streiten. Beim Fressen nehmen Wickelbären alle möglichen Stellungen ein: Sie sitzen, liegen auf dem Rücken oder hängen sich mit den Hinterbeinen und dem Schwanz kopfüber an einen Ast.
Der Wickelbär hat einen Eiswürfel stibitzt (Bild: SWR)
Das Futter halten sie dabei mit den Vorderbeinen und dem Maul fest. Wickelbären besitzen Hautdrüsen, aus denen sie duftende Stoffe absondern, mit denen sie Äste markieren. Da sie aber keine richtigen Reviere markieren, dient dies vermutlich dazu, Wege zu kennzeichnen und einen Partner anzulocken.

In der Sprache der südamerikanischen Indios heißen die Wickelbären »Kinkajou«.
Freunde und Feinde
Höchstens Raubtiere wie der Jaguar können Wickelbären gefährlich werden.
Nachwuchs
Für die Fortpflanzung gibt es bei den Wickelbären keine bestimmte Jahreszeit: Die Weibchen können zu verschiedenen Zeiten im Jahr bereit sein, sich zu paaren. Dann sondern sie Duftstoffe aus Drüsen an der Kehle und an den Kiefern ab, die die Männchen anlocken. Vor der Paarung massieren die Männchen die Weibchen an den Körperseiten, und die Weibchen lassen ein Zirpen hören, das anzeigt, dass sie bereit zur Paarung sind. Danach gehen beide wieder getrennte Wege.

Nach 112 bis 118 Tagen bringen die Weibchen in einer Baumhöhle meist ein, selten auch zwei Junge zur Welt. Sie sind immerhin schon 30 Zentimeter groß und wiegen bis zu 200 Gramm. Ihr Fell ist silbergrau und hat dunkle Spitzen. Am Bauch ist es jedoch so kurz, dass die Jungen fast nackt aussehen. Am Anfang sind die Kleinen noch blind. Erst wenn sie sieben bis 19 Tage alt sind, öffnen sie die Augen.

Wickelbär-Männchen (Bild: SWR)
Die ersten sieben Wochen werden sie nur von der Mutter gesäugt, dann beginnen sie, feste Nahrung zu fressen.
Wenn die kleinen Wickelbären zwei bis drei Monate alt sind, können sie mit dem Schwanz greifen. Mit etwa vier Monaten sind sie selbstständig; mit einem Jahr ist ihr Fell schließlich ausgefärbt.

Männchen werden mit etwa eineinhalb Jahren, Weibchen mit etwas mehr als zwei Jahren geschlechtsreif.
Sprache
Wenn Wickelbären erschrecken oder sich bedroht fühlen, lassen sie eine Art Bellen oder Kläffen hören, das ein bisschen an einen Hund erinnert.
Autorin: Barbara Kiesewetter