OLIs Wilde Welt
Drei Rennmäuse (Bild: www.colourbox.com)

Wüstenrennmaus


Meriones unguiculatus

Eigentlich ist ihr deutscher Name falsch: Die Wüstenrennmäuse kommen weder aus der Wüste noch sind sie "echte" Mäuse. Ihr lateinischer Name bedeutet "Krieger mit Krallen".
Aussehen
Wüstenrennmaus als Haustier (Bild: SWR)
Wüstenrennmäuse - sie werden auch Mongolische Rennmäuse genannt - sind Nagetiere und gehören zur Familie der Wühler und zu den Mäuseartigen.
Sie sind mit dem Hamster oder den Wühlmäusen näher verwandt als mit unseren normalen Haus-Mäusen, die zur Familie der Echten Mäuse gehören.
Wüstenrennmaus in einer Kiste (Bild: SWR)
Sie sehen aber trotzdem aus wie eine Maus: Sie sind etwa zehn bis zwölf Zentimeter lang und an ihrem zehn bis zwölf Zentimeter langen Schwanz tragen sie eine Quaste oder einen Pinsel. Am Kopf und an den Pfoten haben sie viele Tasthaare, die ihnen jede Berührung und Bewegung melden.

Die Weibchen wiegen 70 bis 100 Gramm, die Männchen bis zu 120 Gramm.
Dank ihrer kräftigen Hinterbeine können sie sehr schnell rennen. Die Vorderpfoten benutzen sie zum Graben, Fressen, Putzen und Spielen.

Ihr Fell ist normalerweise braun. Heute gibt es aber auch Züchtungen in verschiedenen Farben:
Es gibt sandfarbene, weiße, schwarze, hellgraue oder sogar gescheckte Rennmäuse. Besonders auffällig sind die großen Knopfaugen mit den langen Wimpern. Die Ohren sind dagegen ziemlich klein.
Heimat
Die wilden Mongolischen Rennmäuse leben in der mongolischen Steppe und nicht in der Wüste. Sie kommen von der südlichen Mongolei bis Nordost-China vor.
Lebensraum
Rennmäuse leben in der Steppe zwischen den Gräsern. In kleinen Hügeln legen sie Höhlen an, die durch viele Gänge miteinander verbunden sind. Hier wohnen große Rennmausfamilien einträchtig zusammen. Das Klima ist im Sommer trocken und heiß, im Winter trocken und sehr kalt. Deshalb sind Rennmäuse gut an Kälte angepasst, vertragen aber keine Feuchtigkeit.
Rassen und Arten
Die nächsten Verwandten der Wüstenrennmaus sind die Mittags-Rennmaus, die Persische Wüstenmaus, die Shaw-Wüstenmaus und die Tristam-Wüstenmaus. Nah verwandt sind auch die Nordafrikanische Rennmaus, die Feld-Rennmaus und die Nacktsohlen-Rennmaus.
Lebenserwartung
Wüstenrennmäuse werden drei bis vier Jahre alt. Das ist für ein so kleines Tier sehr viel.
Alltag
Wüstenrennmaus (Bild: SWR)
Ihr Name verrät viel über ihre Eigenschaften: Rennmäuse heißen so, weil sie superschnelle Flitzer sind.

Das müssen sie in ihrer Heimat auch sein, um rasch vor Feinden wie Raubtieren oder Greifvögeln verschwinden zu können.
In der Steppe stehen sie oft aufrecht auf kleinen Hügeln und beobachten aufmerksam die Umgebung. Wittern sie Gefahr, trommeln sie kurz mit den Hinterfüßen auf den Boden, fiepen und verschwinden dann blitzschnell in ihrem Bau.

Rennmäuse können gut sehen und noch besser hören und riechen. Sie erkennen ihre Familienmitglieder am Geruch. Wer den Duft-Test nicht besteht, gehört nicht zur Familie und wird unerbittlich weggejagt. Daher haben sie auch ihren Namen "Krieger mit Krallen".
Wüstenrennmäuse beim Spielen (Bild: SWR)
Rennmäuse sind Rudeltiere. Auch wenn sie als Heimtiere gehalten werden, sind Rennmäuse ohne Familie einfach nicht glücklich.

Am liebsten machen sie alles gemeinsam: Das Revier und den Käfig entdecken, spielen, sich putzen und sich zum Schlafen aneinander kuscheln.

Und weil Rennmäuse sehr neugierig sind, werden sie auch gegenüber dem Menschen recht schnell zahm.

Dürfen sie im Zimmer frei herumlaufen, erkunden sie alles, was ihnen in die Quere kommt. Das heißt allerdings auch, dass sie einiges kaputt machen, weil Rennmäuse einfach an allem nagen, was sie finden.

Meist sind Rennmäuse abwechselnd zwei bis vier Stunden wach und schlafen dann genauso lang. Wenn sie wach sind, wühlen sie in der Käfigeinstreu. Ihre Lieblingsbeschäftigung überhaupt ist das Nagen. Richtig wohl fühlen sie sich, wenn sie sich ausgiebig putzen und im Sand baden können. So entfernen sie Schmutz und Fett aus ihrem Fell.
Freunde und Feinde
Zu den natürlich Feinden der Rennmäuse gehören Steppenfüchse, Füchse, Iltisse und Eulen.
Nachwuchs
Rennmäuse bekommen viele Kinder: Theoretisch können sie alle vier bis sechs Wochen ein bis fünf (oder auch mehr!) Junge bekommen - wenn man sich Rennmäuse anschafft, muss man also vorher gut überlegen, ob man nicht besser mehrere Männchen oder mehrere Weibchen hält. Denn wer soll Euch sonst all die vielen jungen Mäuse abnehmen?

Rennmäuse werden mit etwa sieben bis zwölf Wochen paarungsreif und bleiben ihr Leben lang mit demselben Partner zusammen. Wenn das Rennmaus-Weibchen bereit zur Paarung ist, wird das Männchen ganz schön aufgeregt: Es trommelt mit den Hinterpfoten auf den Boden und jagt seine Partnerin durch das Revier. Ist das Weibchen bereit zur Paarung, bleibt es stehen. Dieses Ritual wiederholt sich viele Male.

Nach 23 bis 26 Tagen kommen die Jungen zur Welt. Sie sind noch nackt, blind und taub, werden etwa 21 bis 30 Tage gesäugt und abwechselnd von der Mutter und vom Vater gewärmt, bis sie groß genug sind. Nach sechs bis acht Wochen sind sie selbstständig.
Sprache
Ein lautes Fiepen ist der Angst- und Warnruf der Rennmäuse. Die Jungen lassen außerdem ein leises Zwitschern oder Wispern hören.

Ernährung
Wüstenrennmaus beim Fressen (Bild: SWR)
Rennmäuse leben in erster Linie vegetarisch. In der Natur fressen sie hauptsächlich Samen und Getreide. Wenn man Rennmäuse hält, gibt man ihnen am besten eine fertige Mischung für Rennmäuse aus dem Zoofachhandel zu fressen. Geeignet sind auch Hirse und andere Samen. Ab und zu darf man ihnen auch mal eine Scheibe Vollkorn-Knäckebrot geben.
Da Rennmäuse in der Natur auch ab und zu Insekten fressen, sollte man ihnen gelegentlich z.B. Mehlwürmer geben, damit sie genug Eiweiß bekommen.
Der Anteil sollte aber nicht mehr als 15 Prozent des gesamten Futter ausmachen.

Obst und Gemüse mögen Rennmäuse zwar, sie dürfen es aber nur in kleinen Portionen fressen: Möhren, Gurke, Endivie und Obst oder ab und zu eine gekochte Kartoffel vertragen sie jedoch ganz gut. Außerdem nagen sie gerne an Zweigen; es dürfen aber nur welche von Obstbäumen oder Weiden sein.
Pro Tag brauchen Rennmäuse sechs bis zehn Gramm Futter und drei bis fünf Milliliter Wasser.
Haltung
Wüstenrennmaus im Käfig (Bild: SWR)
Rennmäuse sind prima Haustiere. Am besten hält man mehrere Weibchen oder mehrere Männchen; Geschwister vertragen sich am besten miteinander. Auf alle Fälle brauchen sie genügend Platz, um sich austoben zu können.
Für zwei Tiere muss der Käfig mindestens 80 mal 40 Zentimeter groß sein, für mehr Tiere natürlich größer.

Der Käfig wird mit Heu, Katzenstreu und Sand eingestreut. Der Sand sollte allerdings kein Vogelsand sein, denn darin sind kleine Muschelstücke enthalten, an denen sich die Mäuse verletzen können.
Aus Papiertaschentüchern oder Küchenrollenpapier bauen sich die Rennmäuse ein kuscheliges Nest.

Natürlich gehören in einen Käfig auch ein Fressnapf und eine Trinkflasche sowie ein Laufrad und eine kleine Leiter zum Turnen und Austoben. Steine und Wurzelstücke dienen zum Klettern und Verstecken. Und in einem Napf mit Vogelsand genießen die Rennmäuse ihr Sandbad.
Pflegeplan
Täglich müsst ihr die Rennmäuse mit Trockenfutter versorgen, das übrige frische Futter vom Vortag entfernen und frisches Grünfutter geben. Eventuell könnt ihr auch frische Äste zum Nagen in den Käfig geben. Und natürlich müsst ihr jeden Tag nachschauen, ob alle Tiere gesund und munter sind.

Wöchentlich muss die Käfigeinstreu ausgewechselt, der Sand erneuert und frisches Nistmaterial gegeben werden. Mindestens einmal pro Woche - besser aber öfter - muss das Trinkwasser gewechselt werden.

Außerdem muss der Käfig einmal im Monat komplett mit heißem Wasser gereinigt werden.