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Kostas Kind, wie wichtig ist Familie?

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Was, wenn meine Eltern sich scheiden lassen? Warum dürfen kleine Brüder eigentlich so viel? Und muss man seiner Familie alles verzeihen? Maria Ziffy und YouTuber Kostas Kind quatschen in dieser Folge von we be like über Patchworkfamilien, Geschwisterstreit und ihr ganz persönliches Familienleben. Außerdem geben sie Tipps, was ihr tun könnt, wenn’s zu Hause mal nicht so rund läuft.

Communityfragen

Rammiya Gottschalk (@fraupsychologin) ist Verhaltenspsychologin und hat eure Fragen zum Thema beantwortet:

Tilda und Leni haben gefragt: Was können wir tun, wenn die Eltern sich oft streiten? Und was ist, wenn die Eltern von Trennung reden?

Erst einmal können Streitigkeiten in einer Beziehung völlig normal sein. Wenn sie aber gehäuft vorkommen und Kinder dies als bedrohlich empfinden, sollte gehandelt werden. Dann ist es völlig normal und verständlich, dass es einem Angst macht und man sich Sorge macht. Was kann ich als Kind tun?

  1. Bewusst werden, dass deine Gefühle und Gedanken Raum brauchen und du es nicht allein mit dir ausmachen solltest.
  2. Eltern in ,,Ich-Botschaften“ direkt ansprechen und über dein Empfinden berichten (,,Ich mache mir Sorgen, wenn ihr euch so oft streitet“, ,,Das macht mir Angst“).
  3. Neugierig nachfragen (,,Warum streitet ihr?“). Achte beim Ansprechen auf die richtige Situation (nicht während des Streits), einen ruhigen Moment abwarten.
  4. Mach dir bewusst, dass du nicht dafür verantwortlich bist und lass dich nicht involvieren (,,Ich möchte nicht in eure Streitigkeiten hineingezogen werden, ich habe beide lieb und möchte mich nicht entscheiden).
  5. Wenn von Scheidung gesprochen wird: Oft werden im Streit Dinge gesagt, die man nicht so meint. Daher, nach Abklingen der Emotionen, konkret deine Eltern befragen, dass du dies mitbekommen hast und es dir Angst macht.

Wenn du gar nicht mit deinen Eltern sprechen kannst:

Brief, E-Mail, Whats App etc schreiben. Oder eine vertraute Person fragen, ob sie dich begleitet (Freundin, Verwandte, Geschwister etc)

Was kann man tun, wenn’s einem nach der Trennung der Eltern schlecht geht? 

  1. Klarheit über die Gefühle verschaffen. z.B.: Tagebuch schreiben hilft dabei. Es ist okay, dass du dich so fühlst, deine Gefühle sollten einen Raum haben.
  2. Fördere deine Selbstfürsorge: Mache die Dinge, die dir Spaß machen (Freunde treffen, Kino, Entspannungsübungen, Musik hören etc). Konzentriere dich auch auf positive Gefühle
  3. Reden hilft! Rede mit vertrauten Personen über deine Gefühle und Gedanken. Ansonsten auch eine Therapie, Telefonseelsorge oder Krisenchats (Kostenlos und rund um die Uhr zu erreichen)

Eine Userin fragt: Wie kann man die Beziehung zu seinen Eltern verbessern? Geht das überhaupt? 

Ja, das geht. In die Kommunikation gehen und über Gefühle und Wünsche sprechen. Wenn es kaum möglich ist: eine Familientherapie machen.

Muss man sich mit der eigenen Familie verstehen? 

Da können die gleichen Tipps wie oben beschrieben helfen.

Und nein, man muss sich nicht mit der eigenen Familie verstehen. Für deine Gefühle kannst du nichts. Man sollte vielleicht versuchen verschiedene Anteile bei den Personen zu erkennen. Zum Beispiel, dass man die ,,neugierige“ Seite bei Tante Emma nicht so mag, dafür aber ihre ,,herzliche“ Seite mag. Man sollte bewusst auf seine Bedürfnisse hören, wenn ich eher ,,Distanz“ zu einem anderen Menschen wünsche, dann hat es ja seinen Grund. Man sollte individuell seine Gründe dafür herausfinden und eine gesunde individuelle Lösung für sich finden.

Jemand von euch wollte wissen: Muss man Dinge, die einem wehtun, der Familie vergeben, weil es Familie ist? 

Nein, es sind deine Gefühle und Gefühle sind immer echt. Nur weil etwas sozial wünschenswert ist und du es vielleicht in der Familie so vermittelt bekommen hast, musst du deine Gefühle von Verletzung und Trauer nicht herunterspielen. Wichtig ist immer, offen über seine Gefühle zu sprechen und dem Gegenüber eventuell erklären, dass du noch Zeit brauchst. Darüber hinaus kommt es immer drauf an, was zu verzeihen ist natürlich und welchen Auswirkungen es auf dich hatte. Frage dich lieber selbst: Was brauche ich, um dieser Person zu verzeihen? Was kann ich dafür tun und was kann die Person dafür tun, um das Vertrauen eventuell wieder aufbauen zu können?

Was kann ich generell tun, wenn ich mich in der Familie einsam oder ausgeschlossen fühle? Oder wenn die Geschwister bevorzugt werden? 

Detektiv spielen und hinterfragen, ob meine Gefühle und Gedanken auch die Wirklichkeit repräsentieren (Realitätscheck). Das heißt auch hier: Mit den Eltern reden und in Ich-Botschaften seine Gefühle äußern und fragen. Es kommt immer drauf an, wie die Familiendynamik ist, diese ist überall unterschiedlich. Man könnte auch sich selbst hinterfragen, ob man auch in anderen Kontexten (Schule, Freunde) oft das Gefühl hat, dass andere bevorzugt werden.  Menschen z.B. mit einem niedrigen Selbstwertgefühl oder einer selbstunsicheren Persönlichkeitsstruktur neigen oft dazu eher den negativen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn dies der Fall sein sollte, kann man an den eigenen Glaubenssätzen arbeiten (,,ich bin nicht gut genug“), zum Beispiel in einer Therapie.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn in meiner Familie etwas nicht so richtig läuft? 

Familienberatungsstellen: z.B.: Kirche, Caritas oder Diakonie in deiner Nähe. Telefonseelsorge und Krisenchats. Auch das Jugendamt bietet Familienhilfe an.

Maylo hatte folgende Frage: Wie sehr beeinflusst es eigentlich ein Kind getrennte Eltern und einen Stiefvater zu haben? 

Schwer zu beantworten, kommt drauf an, welche Beziehung man zu den jeweiligen Personen hat. Kann durchaus auch einen positiven Einfluss haben.

Wie wichtig ist die Familie eigentlich dafür, dass es einem gut geht? 

In den ersten Lebensjahren ist die Familie (kann auch nur eine Person sein) wichtig für die Erfüllung von gewissen Grundbedürfnissen, wie z.B: Bindung. Eine gesunde Bindung zur Familie kann das Wohlbefinden stärken. Auch hier gibt es unterschiedliche Familiendynamiken und individuelle Familiengeschichten. Wichtig ist, dass man den Begriff der Familie auch als Zusammenhalt sieht. Auch Freunde können im späteren Verlauf einem das Gefühl von Zusammenhalt vermitteln, besonders dann, wenn man eher in einem toxischen Familienklima aufgewachsen ist. 

Das wollten Jonas und auch andere wissen: Freunde vor oder nach der Familie? 

Da gibt es keine Pauschalaussage. Jeder darf für sich individuell entscheiden, was er fühlt. Man könnte sich unter anderem die Frage stellen: Wo fühle ich mich bedingungslos geliebt und wertgeschätzt und kann mich auf bedingungslosen Zusammenhalt verlassen. Das ist Familie.

Ronja hat uns nach unserer Meinung zu Patchworkfamilie gefragt. Wie siehst du das?

Meine persönliche Meinung: Leben und leben lassen. Wenn sich zwei Menschen aus bestimmten Gründen trennen, ist es völlig okay. Wichtig ist, die Kinder dabei auch abzuholen und am Prozess teilnehmen zu lassen. Und wenn man dann eine neue Liebe findet und einen guten Weg findet alle Familienmitglieder zu integrieren, ist es okay. Man sollte darauf achten, dass eigene Bedürfnisse nicht zu kurz kommen und eventuell Kompromisse finden, um einen gesunden Umgang mit seinen Gefühlen zu finden.

Liv hat gefragt, ob man einen Crush auf seine Stiefgeschwister haben darf ?

Passiert sehr häufig und ist gesetzlich nicht verboten. 😊

Bei leiblichen Geschwistern spürt man normalerweise, dass eine Liebesbeziehung nicht richtig ist. Viele Studien sprechen davon, dass dieses Gespür angeboren sei. Bei Stiefgeschwistern hat man das nicht. Wichtig ist, dass man sich klar machen sollte, dass man die Stiefgeschwister womöglich immer wieder begegnet und es könnte unangenehm sein, wenn man zu früh dem Crush gegenüber seine Gefühle äußert. Ruhig Zeit dabei lassen und dann auf sein Gefühl hören.

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Und falls ihr Probleme in eurer Familie habt und Hilfe benötigt, wendet euch an:

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Und wenn ihr gerade im Schulstress versinkt, kann euch diese Folge vielleicht helfen: https://open.spotify.com/episode/2GTSw39na2b81wj0OrYHwU

  • Habt ihr Themenwünsche oder wollt ihr Lob oder Kritik dalassen? Schreibt sie in die Kommentare: http://swr.li/webelike  

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