Ein Wattwurm auf dem Wattboden (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Arenicola marina

Wattwurm

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AUTOR/IN
Barbara Kiesewetter

Man bekommt ihn gar nicht so leicht zu sehen, trotzdem ist der Wattwurm einer der bekanntesten Tier-Vertreter im Wattenmeer: Sein Erkennungszeichen: Die typischen Kothaufen.

Steckbrief

Wie sehen Wattwürmer aus?

Der Wattwurm gehört zu dem Stamm der Ringelwürmer und dort zu den Vielborstern. Ein wenig gleicht er einem Regenwurm, allerdings wird der Wattwurm mit 40 bis 50 Gramm deutlich schwerer und mit 20 bis 40 Zentimeter sehr viel länger als ein Regenwurm. Wie bei diesem besteht sein Körper aus zahlreichen ringelförmigen Abschnitten, den Segmenten. Die vordere Hälfte des bräunlich bis schwarz gefärbten Wurms ist bis zu fingerdick. Dort sitzen alle Organe. Am Vorderende besitzt er außerdem einen ausstülpbaren Rüssel, mit dem er seine Nahrung aufnimmt.

Außen am Körper sind winzige büschelige, leuchtend rote Anhängsel zu erkennen. Das sind die Kiemen, mit denen der Wurm atmet. Dann erkennt man noch zahlreiche Borstenpaare, die der Fortbewegung dienen. Im dünnen hinteren Teil des Wurms befindet sich nur der Darm.

Wo leben Wattwürmer?

Der Wattwurm lebt an den Küsten des östlichen Atlantiks von der Arktis bis zum Mittelmeer. Wir kennen ihn vor allem aus dem Watt der Nordsee.

Wie sein Name schon sagt, lebt der Wattwurm ausschließlich im Watt. Das ist der Lebensraum an der Meeresküste, der von Ebbe und Flut geprägt ist: Dort fällt der Boden zweimal am Tag trocken und wird zweimal täglich wieder vom Meer überflutet. Der Boden des Watts kann aus Sand, Fels oder Schlick bestehen. Wattwürmer leben ausschließlich im Boden des Sand- und Schlickwatts, und sie mögen es kühl: Wenn die Temperatur in ihrem Lebensraum über 18 Grad Celsius steigt, gehen sie bald ein.

Welche Wattwurmarten gibt es?

Man schätzt, dass es ungefähr 10.000 verschiedene Arten von Vielborstern gibt, zu denen auch der Wattwurm gehört. Sie leben fast alle im Meer.

Ein naher Verwandter des Wattwurms ist im Wattenmeer der nordamerikanischen Atlantikküste zu finden. Er heißt Arenicola cristata und nimmt dort die Rolle unseres Wattwurms ein.

Wie alt werden Wattwürmer?

Wenn er nicht von einem hungrigen Vogel gefressen wird, kann ein Wattwurm mehrere Jahre alt werden. Im Durchschnitt lebt er etwa fünf Jahre.

Verhalten

Wie leben Wattwürmer?

Wenn man bei Ebbe am Strand entlang läuft, sieht man überall die Kothäufchen der Wattwürmer. Schaut man genau hin, erkennt man knapp daneben einen kleinen Trichter, den Fresstrichter. Das Tier selbst lebt in einer 20 bis 30 cm tiefen U-förmigen Röhre im Wattboden. Die eine Hälfte der Röhre nennt man Fressröhre, die andere Wohnröhre. Der Wurm liegt so im waagerechten Teil der Röhre, dass sich sein Vorderende am Ende der Fressröhre befindet. Der Schwanz ragt in die Wohnröhre und endet etwa 20 cm unterhalb des Wattbodens. Damit die Röhre stabil ist, scheidet der Wurm einen Schleim aus, der den Sand der Röhre wie Klebstoff fixiert.

Der Wurm nimmt mit seinem Rüssel Sand auf, der durch den Trichter in die Fressröhre rutscht. Alle pflanzlichen und tierischen Partikel im Sand werden von ihm verdaut. Den unverdaulichen Sand scheidet er durch den After wieder aus. Dazu kriecht der Wurm etwa alle 30 bis 40 Minuten mit dem Hinterende rückwärts zum Ausgang der Wohnröhre und scheidet ein drei bis fünf Zentimeter langes Kotwürstchen aus. Es erinnert ein bisschen an graue Spaghetti und kringelt sich zu den bekannten Kothäufchen auf. Ekeln muss sich vor den Kothäufchen übrigens niemand: Sie bestehen nur aus gereinigtem Sand.

Fallen Teilchen durch den Fresstrichter, die für den Wurm zu groß sind, befördert er sie in die sogenannte Fresstasche, eine Einbuchtung der Röhre in der Nähe seines Kopfes.

Damit die Kiemen in der Röhre immer mit frischem, sauerstoffreichem Wasser versorgt werden, pumpt der Wurm durch rhythmische Bewegungen frisches Wasser in seine Wohnröhre.

Wattwürmer sind so wichtig, weil sie durch das Fressen und Ausscheiden des Sands im Lauf eines Jahres die oberen 25 Zentimeter des Wattbodens umgraben. Das verbessert die Lebensbedingungen für viele andere Tiere, denn durch Tätigkeit des Wurms wird der Boden mit Sauerstoff angereichert, nährstoffreiches Material gelangt an die Oberfläche und organisches Material wird abgebaut.

Freunde und Feinde des Wattwurms

Wattwürmer sind für viele Vögel wie zum Beispiel die Austernfischer ein wahrer Leckerbissen. Die Vögel laufen bei Ebbe durchs Watt. Wenn sie entdecken, dass sich gerade ein neues Kothäufchen auftürmt, stochern sie mit ihrem langen spitzen Schnabel in die unter dem Häufchen liegende Röhre und holen sich den Wurm. Der versucht sich zu retten, indem er das letzte Stückchen seines dünnen Hinterleibs abreißen lässt und sich so tief wie möglich in seine Röhre verkriecht. Die Vögel bekommen dann nur ein kleines Stück vom Wurm statt des ganzen Tiers. Aber auch Fische wie etwa Schollen fressen Wattwürmer.

Wie pflanzen sich Wattwürmer fort?

Fortpflanzungszeit ist im Oktober bei Vollmond. Dann sondern die Männchen ihre Spermien ins Wasser ab. Gelangen sie in die Wohnröhren der Weibchen, legen diese ihre Eier ab, die dann befruchtet werden. Die Eier bleiben so lange in der Wohnröhre, bis die winzigen Larven schlüpfen. Sie schwimmen zunächst in etwas tieferes Wasser. Im nächsten Frühjahr wandern sie in flaches Wasser und graben dort eine kleine Röhre. Im folgenden Herbst wandern sie wieder in etwas tieferes Wasser, und erst im darauffolgenden Sommer in die Zone des Watts, wo die erwachsenen Wattwürmern leben. Dort graben sie sich die typische Röhre.

Pflege

Was fressen Wattwürmer?

Der Wattwurm ernährt sich ausschließlich von den organischen Überresten, die im Sand des Wattbodens enthalten sind. Das sind die Überbleibsel von Pflanzen und Tieren. Er verdaut sie und scheidet den reinen Sand wieder aus.

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Regenwürmer fressen Pflanzenreste und Bodenpartikel und verwandeln sie in wertvollen Humus.

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